Montag, 6. Oktober 2014

Brüder in der Not

Einst hatten ein Rabe und eine Katze Brüderschaft geschlossen; und während die beiden nun zusammen unter einem Baum saßen, erblickten sie plötzlich einen Panther, der gerade auf den Baum zu schlich. Doch sie hatten ihn nicht eher bemerkt, als bis er in der Nähe des Baumes war.

Da flog der Rabe hoch in den Baum, die Katze aber blieb vor Schreck wie versteinert sitzen und rief dem Raben zu: "Lieber Freund, weißt du ein Mittel, mich zu retten, wie ich es von dir erhoffe?" Der Rabe antwortete ihr: "Man erwartet von Brüdern, daß sie im Falle der Not nach einem Ausweg suchen, wenn das Unglück über sie hereinbricht.

Wie sagt doch der Dichter:
»Der echte Freund, der bei dir bleibt,
Sich schadet, um dir Vorteil zu bereiten;
Der, wenn des Schicksals Laune dich vertreibt,
Sich für dich hingibt, um dich heim zu leiten.«

Es waren aber in der Nähe des Baumes Hirten, die Hunde bei sich hatten; nun flog der Rabe fort und schlug dabei mit den Flügeln auf die Erde, krächzte und schrie. So näherte er sich den Hirten, schlug mit seinem Flügel einem der Hunde ins Gesicht und flog wieder ein wenig in die Höhe, während die Hunde ihm nachsetzten und ihn verfolgten. Einer der Hirten, der das gesehen hatte, stand auf und auch er folgte ihm nun. Der Rabe aber flog immer nur so weit, dass er den Hunden gerade noch entrinnen konnte und sie doch gierig machte, ihn zu zerreißen; dann stieg er wieder ein wenig auf, und die Hunde liefen hinter ihm her. So kam er schließlich an den Baum unter dem sich jetzt der Panther befand. Als jedoch die Hunde den Panther erblickten, sprangen sie auf ihn los; und der Panther wandte sich zur Flucht, nachdem er bereits geglaubt hatte, die Katze verspeisen zu können. So wurde die Katze durch die List ihres Freundes, des Raben, gerettet.

Und diese Geschichte lehrt uns,
dass die Liebe unter den lauteren Brüdern vor Not und Tod behütet und bewahrt.

Tausendundeine Nacht







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